ENGELSTAHL oder L-Winkel ist eines der grundlegendsten und beliebtesten Baumaterialien und wird als verzinkter Winkelstahl bezeichnet. Er weist einen L-förmigen Querschnitt auf, der ihm bei Rahmenkonstruktionen, Aussteifungen, Stützen und anderen tragenden Anwendungen eine hohe Festigkeit und Steifigkeit verleiht. Obwohl die Grundfestigkeit vom Stahl selbst stammt, ist es die Zinkschicht – erzeugt durch den Verzinkungsprozess –, die den langfristigen Wert und die Lebensdauer bestimmt. Diese Schicht verhindert die Korrosion des Grundstahls und erhöht die Lebensdauer der Konstruktion deutlich, selbst unter rauen Bedingungen. Um die richtige Produktwahl für Ihr Projekt zu treffen, ist es wichtig, die an diesem Verzinkungsprozess beteiligten Standards und Spezifikationen zu verstehen.
Der Verzinkungsprozess: Überwiegend Feuerverzinkung
Das Feuerverzinken ist das beliebteste und produktivste Verfahren zum Verzinken von Winkelstahl. Es handelt sich um einen mehrstufigen Prozess:
Oberflächenvorbereitung: Der Stahlwinkel wird in alkalischen Lösungen gewaschen, in Säure begossen („pickled“), um Walzhaut und Rost zu entfernen, und mit einem Flussmittel behandelt, um eine Oxidation vor dem Eintauchen zu verhindern.
Verzinken: Der bereits vorbereitete Winkel wird in ein Gefäß mit geschmolzenem Zink (üblicherweise bei 450 °C / 840 °F) eingetaucht.
Metallurgische Bindung: Zwischen Eisen und Zink bildet sich eine metallurgische Bindung, wodurch mehrere Zink-Eisen-Legierungsschichten entstehen, die von einer Schicht reinen Zinks überdeckt werden.
Abkühlen: Der Winkel wird entnommen und abgekühlt; dadurch entsteht eine eng anhaftende und schützende Beschichtung.
Dies geschieht, um sicherzustellen, dass die Beschichtung alle Teile des Winkels – auch Kanten und Ecken – vollständig abdeckt, die normalerweise am stärksten korrosionsanfällig sind.
Wichtige Spezifikationen und Normen
Bei der Spezifikation oder beim Kauf von galvanisierter Winkelstahl gibt es eine Reihe entscheidender Normen, die sowohl die Qualität des Grundstahls als auch der Beschichtung festlegen.
1. Grundlegende Stahlspezifikationen: Die mechanischen und chemischen Eigenschaften des Stahlwinkels werden durch folgende Normen geregelt:
ASTM A36/A36M: Dies ist die Standard-Spezifikation für kohlenstoffhaltigen Baustahl, der im allgemeinen Bauwesen als Winkel sowie für Schraub-, Niet- oder Schweißverbindungen verwendet wird.
ASTM A572/A572M: Dies ist ein hochfester, niedriglegierter Strukturstahl mit Niob und Vanadium, dessen Streckgrenze höher ist als die von A36.
GB/T 706 (China): Chinesische Norm für Abmessungen, Formen, Massen und Toleranzen von warmgewalzten Stahlprofilen sowie Winkeln.
JIS G 3192 (Japan): Abmessungen, Masse und Toleranzen von warmgewalzten Stahlprofilen.
2. Normen für Verzinkungsbeschichtungen: Es müssen mindestens drei Stufen der Verzinkungsbeschichtung vorhanden sein.
Dies sind die wichtigsten Kriterien zur Bewertung des Korrosionsschutzes.
ASTM A123/A123M: Standard-Spezifikation für Zink-Beschichtungen (Feuerverzinkung) auf Eisen- und Stahlprodukten. Dies ist das maßgebliche Kriterium in Nordamerika. Sie enthält folgende wichtige Anforderungen:
Mindestbeschichtungsstärke/Mindestbeschichtungsmasse: Die Spezifikation legt Mindestwerte in Abhängigkeit von der Stahldicke fest. Als Beispiel muss Stahl mit einer Dicke von mehr als 6 mm eine durchschnittliche Beschichtungsmasse von mindestens 610 g/m² aufweisen (was einer durchschnittlichen Beschichtungsstärke von etwa 85 Mikrometern entspricht). Dünnere Stähle müssen stärker beschichtet werden.
Haftfestigkeit (Duktilität): Die Beschichtung muss einem Prüfverfahren (z. B. dem „Abschrecktest“) standhalten, um nachzuweisen, dass sie nicht abblättert oder sich vom darunterliegenden Stahl ablöst.
Aussehen: Obwohl das spanglende Aussehen in der Regel einheitlich ist, ist die Kontinuität der Beschichtung sowie das Fehlen unbeschichteter Stellen zwingend vorgeschrieben.
Feuerverzinkte Beschichtung von gefertigten Eisen- und Stahlgegenständen – Anforderungen und Prüfverfahren (ISO 1461). Dies ist der maßgebliche internationale Standard. Wie ASTM A123 legt er Mindestbeschichtungsmassen in Abhängigkeit von der Materialdicke und der Stahlart fest und stellt damit einen internationalen Standard dar.
AS/NZS 4680 (Australien/Neuseeland) und EN ISO 1461 (Europa): Diese regionalen Normen stimmen mehr oder weniger mit dem Grundsatz der ISO 1461 überein und gewährleisten die Zuverlässigkeit der Beschichtungsanforderungen.
3. Gewicht/Dicke-Messung der Beschichtung:
Die Dicke der Beschichtung (gemessen in Mikrometern, µm) oder die Masse der Beschichtung pro Quadratmeter (g/m²) ist das direkte Maß für den Schutzniveau. Dies wird mittels zerstörungsfreier magnetischer Dickenmessgeräte oder durch Labor-Abtragungsprüfungen (ASTM A90) überprüft. Je größer die Masse der Beschichtung ist, desto länger ist voraussichtlich ihre Nutzungsdauer.
Faktoren, die die Lebensdauer und Auswahl der Beschichtung beeinflussen
Umgebung: Zink weist unterschiedliche Korrosionsraten auf. Eine durchschnittliche Beschichtung im ländlichen Raum hat eine Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten, während eine vergleichbare Beschichtung in industriellen oder maritimen (Salzsprüh-)Umgebungen eine kürzere Lebensdauer aufweist. Unter aggressiven Bedingungen ist es wichtig, eine stärkere Beschichtung (HDG) anzugeben.
Stahlzusammensetzung: Das Vorhandensein von Silizium und Phosphor im Grundstahl (sogenannte Stahlreaktivität) kann die Beschichtungsstärke und -optik beeinflussen, was zu sehr dicken und dunkelgrauen Beschichtungen führen kann, die dennoch vollständig korrosionsschützend wirken.
Fertigungshinweise: ANGLE sollte erst nach Abschluss aller Schneid-, Bohr- und Schweißarbeiten (Fertigung) verzinkt werden. Falls nach der Verzinkung noch Schweissarbeiten erforderlich sind, ist der beschädigte Zinküberzug mit einer zinkreichen Lackierung zu reparieren, um den Korrosionsschutz sicherzustellen.
Fazit: Der Wert der Einhaltung von Spezifikationen
Verzinkter Winkelstahl ist nicht bloß ein Stahlstab, sondern eine ganze Reihe von Korrosionsschutzmaßnahmen, die für Lebensdauer und Integrität von Bauwerken wie Hochspannungsmasten, industriellen Rahmen, landwirtschaftlichen Gebäuden und Lagerregalen entscheidend sind. Die Festlegung und Bestätigung der Einhaltung anerkannter Normen wie ASTM A123 oder ISO 1461 ist keine bloße Formalität – sie stellt vielmehr eine äußerst wichtige Maßnahme zur Qualitätssicherung dar. Sie garantiert Ihnen ein Produkt mit einer geprüften, langlebigen Beschichtung, die im Einsatz genau wie gewünscht funktioniert.
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